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Seit ich vor zwei Jahren mit D&D 5e angefangen habe, stehe ich in der Rolle des DM. Bedeutet, dass ich mich von Anfang an damit auseinandersetzen musste, wie ich Sitzungen vorbereite, leite und im Nachgang meine Notizen verwalte. Um Letzteres soll es in diesem Artikel gehen. Was sind meine Erkenntnisse bis zu diesem Zeitpunkt, wenn es darum geht, den Überblick über die Kampagne zu behalten und effizient seine Arbeit zu machen.

So viel wie nötig, nicht so viel wie möglich.

Im ersten Schritt geht es um die Komplexität der Vorbereitung. Es ist die Frage nach dem „Was soll ich vorbereiten?“.

In der Rolle als DM ist man weniger Autor:in, sondern mehr Improvisationskünstler:in. Denn was am Tisch letztlich passiert ist keine Lesestunde, sondern kollaboratives Geschichtenerzählen, mit einem selbst als Resonanzboden für die Spielenden. Das heißt, die Spielleitung muss so flexibel wie möglich sein, um auf die vielen Situationen zu reagieren, welche die Spielenden verursachen.

Flexibilität benötigt Freiraum und dieser ist nicht gegeben, wenn man im Voraus die gesamte Geschichte bis in das kleinste Detail festlegt und damit in Stein meißelt. Im Gegenteil. Man schränkt sich damit ein. Das Improvisieren wird schwieriger. Die Spielleitung müsste dafür Sorge tragen, dass sie sich jederzeit an alle zuvor erschaffenen Details erinnert oder sie griffbereit hat. Zusätzlich kann den DM das Gefühl beschleichen, dass Arbeit umsonst war, wenn von dem starren Gerüst abgewichen wird.

Aus diesem Grund war es für mich eine wichtige Erkenntnis, dass ich nur soweit eine Sitzung vorbereite, bis ich das Gefühl habe, dass mir das Improvisieren leicht fallen wird. Ist dieser Moment erreicht, ist alles was kommt nur noch das Sahnehäubchen und rein optional.

Falls Hilfe benötigt wird, wie man diesen Ansatz für die ersten Schritte einer Homebrew-Kampagne umsetzt, habe ich hier einen groben Leitfaden geschrieben.

Schreiben, nicht archivieren.

Wenn die Inhalte geschaffen sind, kommt schnell die Frage nach dem „Wie soll ich das aufschreiben, damit ich es nicht sofort vergesse / verliere?“.

Wir alle kennen die großen Wikis von bekannten Serien, Filmen oder Spielen. Sorgfältig gepflegte Einträge mit allerhand Information, strukturiert unter gut gewählten Überschriften, in üppigen Boxen, versehen mit schönen Bildern. Wer träumt nicht von so etwas für die eigene Kampagne?

Öffentliche Wikis sind vor allem eines, öffentlich. Wildfremde sollen sich darin zurechtfinden können. In den Kampagnen-Notizen ist es nur wichtig, dass sich die Spielleitung zurecht findet. Bedeutet, man braucht keine strukturellen Änderungen machen, sei es an der Ordnerstruktur, den Tags, Kategorien oder Verlinkungen, wenn kein Problem existiert, welches damit gelöst werden würde. Es kann beruhigend sein, zu wissen, dass man nur die Probleme lösen muss, welche einen selbst betreffen.

Natürlich kann man für jeden NPC mit Tags verfolgen, welchem Volk dieser angehört, welcher Klasse er entspricht usw. Doch wann benötigt man wirklich eine Übersicht über alle Elfen oder Zauberer in der eigenen Kampagne? Jede strukturelle Konvention muss auch gepflegt werden. Solche Unternehmungen lohnen sich nicht, solange sie nicht aktive Probleme lösen.

Eine Spielleitung sollte sich beim Strukturieren der Notizen nicht fragen, was die passendsten Verlinkungen, Kategorien oder Tags sind, sondern über welche Wege sie wieder über diese Information stolpern will, auch wenn man sie vergessen sollte.

Der Tag „Kleriker“ wird mir bei einem beliebigen NPC nichts nützen, wenn ich mir dies Liste aller Kleriker niemals ansehe. Der Tag “Unrevealed” würde mir bei jeder Vorbereitung einer Sitzung die Möglichkeit geben, eine Liste all jener NPCs zu durchforsten, die ich mir zwar ausgedacht, welche aber noch nie vorgekommen sind.

Du bestimmst das Werkzeug, nicht das Werkzeug dich.

Es gibt viele Programme zum Verwalten von Notizen. Zu viele.

Word, Evernote, Obsidian, OneNote, Notion, Scrivener, WorldAnvil und so weiter… Die Auswahl ist mächtig und so auch manche Tools.

Zwei Dinge habe ich für mich gelernt, als ich jede der genannten Optionen ausprobiert habe. Beide Erkenntnisse führen mich zurück zu den zwei zuvor genannten Punkten in diesem Artikel.

In den meisten Worldbuilding-Tools wird man beim Erstellen eines neuen Inhalts mit Eingabefeldern bombardiert und die damit einhergehenden Fragen, um die man sich vorher vielleicht noch keine Gedanken gemacht hat. Das kann gut sein, um zu neuer Information inspiriert zu werden, doch dies sollte optional sein und nicht obligatorisch. Es verleitet auch dazu, Inhalte zu erschaffen die nicht benötigt werden.

Man hatte eine nette Idee für einen NPC? Nun fragt einen das Tool nach seiner Familie, Herkunftsort, Lieblingsessen usw. Beim Beantworten dieser Fragen engt man sich im Handlungsspielraum ein. Das Improvisieren fällt schwerer. Geschriebenes wird durch Improvisieren am Tisch obsolet. Das Erstellen von neuen Inhalten sollte eine Sache von wenigen Sekunden sein und möglichst ohne Ablenkung.

Zum Anderen sollte das Tool der Spielleitung nicht eine Struktur aufzwingen. Wen interessiert, ob in der einen Notiz eines NPCs als Überschrift steht „Aussehen“, in der anderen „Erscheinung“ und in der dritten ist nur ein Bild zu finden ist? Konsistenz ist wichtig beim Erzählen der Geschichte, nicht in der Aufmachung von Notizen. Da zählt es nur, dass ich meine Arbeit machen kann.

Wie schon erwähnt, ist die beste Struktur die, welche es mir am leichtesten macht meine Notizen zu durchforsten und an die Inhalte zu kommen, welche ich brauche. Eine solche Struktur kann nur etwas persönliches sein und ist nicht möglich, wenn das Tool einem vorgibt, wie man seine Notizen miteinander verbindet und in Kontext bringt.

Meinen Erkenntnissen nach eignet sich jede Nicht-Worldbuilding-Notiz-Software besser für die Verwaltung von Kampagnen. Worldbuilding-Tools erschaffen Wikis, wo der Kosten-Nutzen Faktor gemessen an dem Spielspaß am Tisch sehr gering ausfällt. Ein Wiki für die eigene Kampagne ist ein separates Projekt, eine eigene Baustelle.

Abschluss

Das sind alles persönliche Erkenntnisse. Die Spielrunden für die ich das Spiel leiten darf, sind sehr story- und rollenspiellastig. Ich habe einen Hang zum Perfektionismus und zur Ordnung. Es kann also gut sein, dass meine Probleme sich stark von denen anderer DMs unterscheiden.

Trotzdem wollte ich sie teilen, da ich relativ wenig Material dazu finde, wenn es um das Notieren und Strukturieren von Kampagnen geht.

Schreibt mir gerne eure Meinung und Feedback auf Twitter. Freu mich immer auf einen Austausch!

Bildnachweis: David Edwards, Eduardo Pena.